entrindetes Fichten-Stammholz; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz
entrindetes Fichten-Stammholz; Bild: Archiv Landesforsten Rheinland-Pfalz

Obwohl nur 20 Prozent der von Landesforsten betreuten Wälder in Rheinland-Pfalz mit Fichte bestockt sind, macht sie - ohne Sturmereignisse - mit rund 1,3 bis 1,4 Millionen Kubikmeter pro Jahr fast 40 Prozent der Gesamteinschlagsmenge aus. Etwa 30 Prozent des Fichtenholzes wird zu Holzwerkstoffen, Holzschliff und Zellstoff verarbeitet, etwa 70 Prozent - etwa 1 Million Kubikmeter jährlich – zu knapp 500.000 Kubikmeter Nadelschnittholz und Sägerestholz (Hackschnitzel, Späne, Spreißel). In 2008 war jeder dritte verkaufte Rohholz-Kubikmeter sägefähiges Fichtenstammholz, der fast jeden zweiten Euro der rheinland-pfälzischen Holzverkaufserlöse erbrachte.

Die Fichte wird als baumfallender Stamm ab etwa 10 Meter Länge oder in Form von Abschnitten mit Längen zwischen 2,4 bis 5,0 Meter verkauft, in der Regel mit Rinde, baumfallendes Holz gegen Preisaufschlag auch entrindet. Rund die Hälfte des Fichtenstammholzes bewegt sich in einem Mittendurchmesserbereich von etwa 20 bis 30 Zentimeter ohne Rinde (o.R.), ein weiteres Viertel zwischen 30 und 40 Zentimeter o.R.; nicht einmal 10 Prozent der sägefähigen Fichte ist über 40 Zentimeter o.R. stark.

Fichtenholz ist hell, hat keinen Farbkern und lässt sich je nach Qualität und Dimension äußerst vielseitig verwenden, von der Zellstoff- und Papierherstellung bis hin zu hochwertigem Bauholz und teuren Furnieren. Es kann unproblematisch getrocknet, eingeschnitten und bearbeitet werden; die Sägeresthölzer sind begehrte Rohstoffe für die Holzwerkstoff- und die Papier- und Zellstoffindustrie.

Die Qualitäten des Fichtenholzes in Rheinland-Pfalz schwanken in einem weiten Bereich in Abhängigkeit von genetischer Veranlagung der Bäume, Standort  und Wuchsbedingungen (Niederschlagshöhe, Nährstoffversorgung, Vernässungsneigung, Nassschneehäufigkeit), Wildbeständen (Schälschäden) und nicht zuletzt waldbaulicher Behandlung (Rückeschäden, Jahrringaufbau, Astreinheit). Die hohe Geradschaftigkeit als herausragende Eigenschaft der Fichte ermöglicht den Sägewerken hohe Vorschubgeschwindigkeiten und beste Auslastung ihrer Maschinen – und beschränkt den nicht sägefähigen Anteil auf knapp 30 Prozent, so niedrig wie bei keiner anderen Holzart. Als sägefähige Sortimente kann Landesforsten Fichten-D-Abschnitte („Ponys“), Verpackungshölzer sowie Profilspaner- und Bauholzqualitäten anbieten. Darüber hinaus – mit kleinen Mengenanteilen - werden Stangen für Zaunpfähle sowie Stämme und Abschnitte für die Herstellung von Masten, Rammpfählen und Furnierholz verkauft.

Die Nutzung der Fichte ist in vergleichsweise hohem Maße von Zwangsanfällen geprägt, zurückzuführen vor allem auf Borkenkäfer- und Sturmschäden. Im langjährigen Mittel wird etwa jede vierte Fichte in Rheinland-Pfalz wegen Borkenkäferbefall oder als Sturmholz geerntet.
Die Borkenkäferschäden konzentrieren sich in erster Linie auf Fichtenbestände im trocken-warmen Weinbauklima entlang der Täler von Mosel, Saar und Rhein, da die Fichte hinsichtlich ihrer Ansprüche an Klima und Standort in Rheinland-Pfalz eher ein Baum der mittleren und höheren, ausreichend wasserversorgten Lagen ist. Auf längere Sicht dürfte der Borkenkäfer die Fichte in den tieferen Langen wohl nach und nach gänzlich dezimieren.
Die Fichte bildet, insbesondere auf zur Vernässung neigenden Böden, ein flaches Wurzelsystem aus und ist dadurch bei größeren Sturmereignissen regelmäßig die am stärksten betroffene Holzart. In Rheinland-Pfalz brachte zuletzt der Orkan "Kyrill" am 18. Januar 2007 etwa 1,4 Millionen Kubikmeter Fichtenholz an den Boden, von dem noch heute Teile in Nass- und Folienlagern konserviert sind, da die Holzindustrie die Windwurfhölzer in 2007 nicht zeitnah vollständig verwerten konnte.