Anbringen des Windenseils; Bild: M.Kirchner
Anbringen des Windenseils; Bild: M.Kirchner
Harvester mit Traktionswinde; Bild: M.Kirchner
Harvester mit Traktionswinde; Bild: M.Kirchner
Talfahrt; Bild: M.Kirchner
Talfahrt; Bild: M.Kirchner

Spektakulärer Maschineneinsatz im Staatswald Fluterschen

Die vollmechanisierte Holzernte mittels Vollernter oder auch Harvester genannt ist schon seit längerem Alltag in der Bewirtschaftung unserer Wälder.
Mit  Skepsis wird  die Befahrung der Waldbestände mit bis zu 28 to schweren Fahrzeugen und der hierbei entstehenden Bodenverdichtungen und -verdrängungen betrachtet.

Da die vollmechanisierte Bearbeitung der Bestände ausschließlich auf extra hierfür ausgewiesenen Gassen bei geeigneten Witterungsverhältnissen erfolgt schaffen wir es organisatorisch Bodenschäden zu reduzieren. Ausserdem gibt es eine rasante Entwicklung technischer Neuerungen, die diese Schäden minimieren können. Tragbänder für Radfahrzeuge, Luftdruckregelanlagen und 8-Radfahrzeuge sind in der Lage den Bodendruck pro Qudradzentimeter um 20 % zu reduzieren.

Ein besonders schwieriger Bereich im Bezug auf Bodenverwundungen ist die Hanglage. Moderne Forstmaschinen sind in der Lage Hangneigungen bis 50 % zu befahren, verursachen hierbei durch den Radvortrieb jedoch massive Grabschäden oder beim abrupten Halten durch Rutschen sogenannte Schlupfschäden. Verdichtungen und Beschädigungen des Waldbodens beeinflussen in negativer Weise dessen Funktion und sind auf längere Sicht gesehen irreparabel. 

2004 brachte die Firma Herzog („Wer hats erfunden? Die Schweizer!!“) die erste Traktionswinde auf den Markt. Eine solche Winde der neuesten Generation besitzt auch die Firma SSB, die mit Durchforstungsarbeiten im Staatswald Fluterschen von uns beauftragt wurde. 
Der zu bearbeitende Douglasienbestand in der Nähe von Schöneberg befindet sich in einer Hanglage mit teilweise mehr als 50 % Gefälle. Die oben erwähnten Gründe und die logistisch ungünstigen Verhältnisse in diesem Bereich haben uns lange nach einem passenden Holzernteverfahren suchen lassen.

Vorteilhafte Windenarbeit; Bild: M.Kirchner
Vorteilhafte Windenarbeit; Bild: M.Kirchner

Was ist nun das Besondere an einer Traktionswinde?

Diese Winde fungiert als zusätzlicher Antrieb des Harvesters bzw. des nachfolgenden Forwarders (Tragschleppers). So wie ein Anhänger weniger Spurarbeit verursacht als das ziehende Fahrzeug wird durch den Einsatz der Winde die Fahrspur des gezogenen Harvesters ebenfalls drastisch reduziert. Sogar der Bodendruck sinkt bei z.B. 50% Hanglage, um über 10%.
Die verwendete Winde hat ein Seilvolumen von 250m und eine regulierbare Zugkraft von bis zu 10to.
Bevor Carsten Nöh, Harvesterfahrer der Fa. SSB aus Driedorf, eine der steilen Gassen befährt befestigt er das 14mm starke Stahlseil der Traktionswinde mittels Baumschoner am Stammfuß eines Baumes am oberen Rand des Douglasienbestandes und wählt manuell die maximale Zugkraft der Winde im Abgleich mit der bevor stehenden Hanglage.
Während der nun folgenden Arbeitsfahrt reguliert die Winde automatisch ihre Abspulgeschwindigkeit in Abhängigkeit zur Fahrtgeschwindigkeit. Ein stets gestrafftes Stahlseil ermöglicht Herrn Nöh seine Baumfällarbeiten im Hang mit der selben Präzision wie auf der Ebene auszuführen, da der Harvester beim Anhalten nicht ins Rutschen geraten kann.
Die Traktionswinde am Heck des Harvesters versteht sich dabei nicht als Hilfs- oder Sicherungswinde, da zu jedem Zeitpunkt der Arbeit sichergestellt sein muss, dass der Vollernter
sicher zum Stehen kommt. Es kommt nämlich durchaus vor, wie Herr Nöh zu berichten weiß, dass das Seil reißt oder der Sicherungsbaum den Belastungen nicht standhält.
Am unteren Ende der Gasse angelangt dreht der Harvesterfahrer seinen Sitz und fährt mit einspulendem Windenseil wieder bergan in kontinuierlicher Fahrt ohne Durchdrehen der Räder.
Wir haben festgestellt, dass diese Technik für bestimmte Einsatzbereiche ein unverzichtbares Arbeitsverfahren darstellt.

Ein Bericht von Michael Kirchner, technischer Produktionsassistent

Harvestering im Steilhang; Bild: M.Kirchner
Harvestering im Steilhang; Bild: M.Kirchner