Holzrücken mit Pferd

Rückepferd Bild: C. Fonk

Aufgrund der nassen Witterung und des ausbleibenden Frostes im Herbst und Winter 2013/2014 waren die Waldböden für schwere Forstmaschinen lange Zeit nicht befahrbar. Da Befahrungsschäden am Waldboden unbedingt vermieden werden sollen, das gefällte Holz aber dennoch den Kunden bereit gestellt werden muss, wurden im Staatswald des Forstreviers Obererbach-Rosenheim tierische Helfer eingesetzt.
Das im Bestand liegende Buchen- und Eichenholz wurde mit Pferden an die Rückegassen vorgeliefert. Das Pferd kann sich dabei frei im Bestand bewegen, während Forwarder (Rückezug) oder Seilschlepper an die Gassen gebunden sind. Durch das deutlich geringere Gewicht des Pferdes und dessen Wendigkeit kann auch auf staunassen Böden das Holz boden- und bestandesschonend gerückt werden. Auch in schwierigem Gelände, zum Beispiel in Steilhängen oder bei Blocküberlagerungen kommt das Pferd häufig zum Einsatz. Ein weiterer Vorteil ist die geringe Umweltbelastung (keine Abgase, kein Verbrauch von Diesel und Ölen).
Als Rückepferde werden meist mittelschwere Kaltblüter eingesetzt. Sie sind arbeitswillig, wendig und robust, haben einen ruhigen Charakter und viel Kraft. Ein voll ausgebildetes Rückepferd kann sein Eigengewicht von rund einer Tonne ziehen – bei frisch geschlagenem Holz entspricht dies etwa einem guten Festmeter (Kubikmeter). Diese Leistung ist aber nur kurzzeitig abrufbar; im Dauereinsatz sollte ein Pferd nicht mehr als 20 % seines Körpergewichtes (ca. 0,3 fm) ziehen. Stämme, die dieses Gewicht überschreiten, können von einem zweispännigen Zug gerückt werden. Das Gewicht des Holzes wird dabei über ein Kummet gleichmäßig auf den Schultern des Pferdes verteilt, so dass die Zugkraft des Pferdes optimal genutzt werden kann. Am Kummet ist über zwei Zugstränge, die links und rechts am Pferdekörper nach hinten verlaufen, ein Ortscheit angehängt. Über eine Kette werden die Baumstämme daran befestigt. Scheuklappen werden im Wald (anders als bei Kutschfahrten) nicht eingesetzt, damit das Pferd sich angesichts der vielen Hindernisse im Bestand voll orientieren kann.
Die Leistungsfähigkeit ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben Rückeentfernung, Stückmasse, Bestandes- und Bodenverhältnisse sind vor allem auch der Pferdetyp und die Erfahrung von Pferd und Fuhrmann ausschlaggebend. Untersuchungen der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg ergaben eine Leistung von knapp 5 fm/h bei einer Stückmasse von 0,27 fm. Ein Seilschlepper hat eine höhere Leistung, jedoch sind die Kosten pro Stunde ebenfalls etwas höher. Somit stellt das Holzrücken mit Pferd vor allem in schwierigen Waldbeständen eine sinnvolle Alternative und Ergänzung zu herkömmlichen Forstmaschinen dar.

Bericht von Forstinspektoranwärterin Cornelia Fronk