Erzieherinnen aus Adenau und Berg treffen sich im Haus des Waldes in Adenau zu einer ungewöhnlichen Fortbildung

Das Forstamt Adenau richtete am 11. Juni 2007 eine ganztägige Fortbildungsveranstaltung für Erzieherinnen aus. Neun Mitarbeiterinnen des Vischeltalkindergarten Berg und des Kindergarten der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Adenau begegneten hierbei den Bäumen unserer Heimat auf ungewöhnliche Weise. Förster Dietmar Ebi führte sie in die Grundlagen des Kletterns ein; Materialkunde, Knoten und Sicherungstechnik wurden hierbei vermittelt.

Klettern unter Anleitung; Foto: Andreas Michel
Klettern unter Anleitung; Foto: Andreas Michel

Anschließend galt es dann, im hinter dem Forstamt Adenau gelegenen Staatswald, in die Baumkrone einer Rotbuche zu klettern und diese aus ungewohnter Perspektive zu erleben. Hierbei sicherten sich die Teilnehmerinnen gegenseitig, so dass alle füreinander Verantwortung übernehmen mussten. Jeder kletterte nur so hoch, wie er sich zutraute. Für viele bedurfte es einiger Überwindung, sich oben angekommen, in das Sicherungsseil zu setzen und sich dem Sicherungspartner auszuliefern. Diese ließ ihre Partnerin kontrolliert aus der Baumkrone ab. Nach anfänglichen Berührungsängsten hatten die Erzieherinnen sichtlich Spaß daran, ihre individuellen Grenzen zu erfahren und auch zu erweitern.

Eichenschälung; Foto: Dietmar Ebi
Eichenschälung; Foto: Dietmar Ebi

Das Nachmittagsprogramm wurde wieder „bodenständiger“ gestaltet. In einem Rückblick auf historische Waldnutzungsformen rückte Förster Ebi vor allem die Niederwaldbewirtschaftung und die Gewinnung von Eichenlohe in den Mittelpunkt der Betrachtung. Am konkreten Beispiel der Gerberzunft der Stadt Adenau wurde die wirtschaftliche Bedeutung dieser Waldbewirtschaftungsformen für die Ahreifel erläutert.

Anschließend ging es daran, im Stadtwald Adenau mit historischen Werkzeugen selbst Eichenlohe zu gewinnen. Sehr schnell wurde allen klar, dass es sich hierbei um eine anstrengende Tätigkeit handelte. Am stehenden Baum mit einem Lohlöffel die Eichenrinde bis auf Reichhöhe vom Baum zu lösen war noch ganz angenehm zu bewerkstelligen, weil der Saftstrom in der Eiche kurz vor dem Johannistrieb sehr stark ist und der Zeitpunkt daher optimal gewählt wurde.

Eichenfällung; Foto: Dietmar Ebi
Eichenfällung; Foto: Dietmar Ebi

Als die Eiche dann jedoch mit einer Trummsäge in „Zwei-Frau-Arbeit“ gefällt werden musste und die Eiche liegend weitergeschält wurde, verspürte manche Teilnehmerin ihre körperliche Grenze. Alle waren sie froh, dass diese Tätigkeit nur eine einmalige Aktion ist und nicht mehr dem täglichen Broterwerb diente. Der Respekt gegenüber den Leistungen unserer Vorfahren ist hierbei sichtlich gestiegen.

Unsere Lebensgrundlage Wald über solch ungewohnte Zugänge zu erleben und erfahren, war für alle Teilnehmerinnen eine interessante Erfahrung. Wie diese in die tägliche Arbeit mit den Kindern eingebracht wird, muss die Zukunft zeigen. Zahlreiche spontane Ideen und Nachfragen weisen jedoch darauf hin, dass entsprechende Umsetzungen nicht lange auf sich warten lassen.

Teilnehmerinnen; Foto: Dietmar Ebi
Teilnehmerinnen; Foto: Dietmar Ebi