1. Ein Blick in den Boden

Grafik von Jennie Bödecker
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Wie widerstandsfähig und stark ein Wald gegenüber Stürmen ist, hängt von seinem Standort ab. Auf den Hunsrückhöhenflächen bildet ein blaugraues Schiefergestein das Ausgangsmaterial für die heutigen Böden. Durch Verwitterung und Windeintragung von nährstoffreichen Stäuben entstanden im Laufe von Jahrtausenden reichere Böden, die heute von der Landwirtschaft genutzt werden und arme Böden, auf denen wir unsere Wälder wieder finden.

Im Hunsrück treffen wir im Wald häufig auf so genannte Stauwasserböden. In ihnen staut sich das Bodenwasser je nach Niederschlag in unterschiedlicher Tiefe. In sommerlichen Trockenperioden sind viele Baumarten nicht in der Lage, das lebensnotwendige Wasser aus tieferen Bodenschichten durch die Wurzeln aufzunehmen. In der Folge geraten die Bäume in Trockenstress.

Im Winter werden die Wurzeln der Pflanzen ständig von Bodenwasser umschlossen und sterben mangels Sauerstoff ab. Dies führt zu Nässestress. Der ständige Wechsel zwischen Nässe und Trockenheit schwächt dabei die Widerstandsfähigkeit der meisten Pflanzen gegenüber Krankheiten und Insekten.

Es ist Aufgabe der forstlichen Standorterkundung und Forstplanung, möglichst gut an die Bodenverhältnisse angepasste Baumarten auszuwählen. So können nach und nach widerstandsfähige Wälder ausgebaut werden.

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2. Fichte - Sturmopfer Nr. 1

Grafik von Jennie Bödecker
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Die Fichte wurde verstärkt in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg als schnell wachsende und anspruchslose Baumart in unseren Wäldern angepflanzt. Sie zeigt sich bis heute als witterungsanfällige Baumart.

Denn Fichten bilden naturgemäß ein oberflächennahes Wurzelwerk mit wenigen Senkerwurzeln. Diese sind nicht in der Lage, in wasserstauende oder verdichtete Bodenschichten vorzudringen. Die Wurzeln wachsen lediglich in den oberen 20 bis 50 Zentimeter des Bodens – ein Tellerwurzelwerk entsteht.

Zudem sind Fichten in den sturm- und niederschlagsreichen Wintermonaten voll benadelt und bieten so dem Wind eine große Angriffsfläche. Der aufgeweichte Boden ermöglicht den Wurzeln nur einen geringen Halt. Durch den befürchteten Klimawandel mit stürmischen, niederschlagsreichen und frostarmen Wintern sowie zunehmend trockeneren Sommern wird der Fichtenanteil in unseren Wäldern voraussichtlich weiter abnehmen.

Es ist Aufgabe der Forstleute, hier – soweit Menschen möglich – gegen zu steuern und zum Beispiel bei Neuanpflanzungen auf Baumarten zu setzen, die den künftigen Witterungsextremen besser standhalten.

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3. Kyrill - ein Orkan fegt über Deutschland

Grafik von Jennie Bödecker
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18. Januar 2007: Auf den Höhenzügen der Mittelgebirge erreichten die Orkanböen des Sturmes Kyrill nach starkem Regen mehr als 200 Kilometer pro Stunde. Der Sturmschwerpunkt lag in Nordrhein-Westfalen. Hier wurden rund 20 Millionen Kubikmeter Holz zu Boden geworfen. Das sind mehr als 666.666 Lastwagen voll beladen mit Holz. In Rheinland-Pfalz erreichten die orkanartigen Böen 120 Kilometer pro Stunde. Entsprechend geringer war der Sturmholzanfall von „nur“ zwei Millionen Festmeter Schadholz.

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4. Totes Holz - ganz lebendig!

Grafik von Jennie Bödecker
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Tote Bäume bieten zahlreichen Organismen Nahrung und Unterschlupf. Pilze und Insekten besiedeln schon nach kurzer Zeit die abgestorbenen Bäume – der Verrottungsprozess beginnt.

Mit fortgeschrittenem Zerfallsgrad des Totholzes ändert sich auch dessen „Nutzung“ durch Tiere und Pflanzen: Sofort nach dem Windwurf besiedeln Spinnen, Käfer, Lurche, zahlreiche Vogelarten und Säugetiere den neu entstandenen Lebensraum.

Später finden sich andere Insektengruppen und Pilze ein, welche dann für ihre Art optimale Lebensbedingungen vorfinden. Selbst junge Bäume keimen auf ihren toten „Elternbäumen“. 

Auch in unseren regulär bewirtschafteten Wäldern lassen die Försterinnen und Förster bewusst einzelne abgestorbene Bäume stehen, um Lebensräume für „Totholz“-Bewohner zu schaffen.

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5. Borkenkäfer - Schädlinge für den Wald

Grafik von Jennie Bödecker
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Vom Sturm geworfene Nadelbäume stellen für die Borkenkäfer (Buchdrucker und Kupferstecher) eine exzellente Lebensgrundlage dar. Diese besiedeln vorzugsweise geschwächte Fichten und legen ihre Eier unter die Borke der Bäume. Dabei entsteht ein typisches Fraßbild, das wichtige Versorgungsleitungen für Nährstoffe zerstört. Der Baum stirbt schließlich ab. Für ihre Brut benötigen Borkenkäfer etwa sechs Wochen. Aus einem Elternpaar können pro Saison bis zu 80.000 Käfer entstehen, die sogar vollkommen gesunde Bäume befallen! 

Selbst entastete und am Waldrand lagernde Baumstämme sind vor einer Schädigung durch holzbrütende Borkenkäferarten nicht sicher. Diese Schädlinge fressen nicht unter der Rinde, sondern durchbohren sogar das harte Holz wie einen „Schweizer Käse“.

Um den Borkenkäfern nicht weitere Nahrung zu bieten, müssen die Forstleute dafür sorgen, dass im Sommerhalbjahr geerntetes Nadelholz möglichst rasch aus dem Wald abtransportiert wird.

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6. Startschuss für Kräuter, Gräser und Beeren

Grafik von Jennie Bödecker
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Die entwaldeten Flächen begrünen sich schnell wieder auf natürlichem Wege. Jeder Waldort bildet in Abhängigkeit vom Klima seine charakteristische Pflanzengesellschaft.

In den ersten beiden Jahren wachsen vor allem Kräuter wie Waldkreuzkraut, Fingerhut oder Springkraut. Aber auch Besenginster siedelt sich an. Seine keimfähigen Samen können bis zu 80 Jahre im Boden überdauern und nun auf der waldfreien Fläche zu Sträuchern heranwachsen. Andere Pflanzenarten wie zum Beispiel Gräser müssen noch mit ihren leichten Samen ein fliegen und sind erst nach zwei bis drei Jahren erkennbar. In der Folge keimen Himbeere und Brombeere.

In dieser Phase müssen die Forstleute sehr genau beobachten, ob auch unsere Waldbäume die Chance haben, zu keimen. Andernfalls wird steuernd eingegriffen.

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7. Fleißige Helfer bei der Saat

Grafik von Jennie Bödecker
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An dieser Stelle würde sich der Wald im Laufe der Jahre auch ohne menschliche Hilfe erneuern. Die verbliebenen Bäume sind in der Lage, frei gewordene Flächen durch die Bildung und Verbreitung der Samen wieder zu besiedeln.

Baumarten wie Fichte, Tanne oder Erle entlassen ihre leichten flugfähigen Samen bei trockener und warmer Witterung. Der Wind treibt dabei die Samen in die Umgebung.

Baumarten wie Kirsche oder Vogelbeere besitzen ein attraktives Fruchtfleisch und lassen zur Verbreitung ihrer Samen den Transport von Vögeln oder anderen Tieren erledigen.

Kleintiere (Mäuse, Eichhörnchen, Eichelhäher) sammeln schwere Samen wie Eicheln, Bucheckern oder Haselnüsse häufig in unterirdischen Hohlräumen als Winterfuttervorrat. Nicht alle Lager werden in winterlicher Notzeit gefunden. Diese Samen bringen im Frühjahr neue Bäume hervor.

Spätestens in dieser Phase müssen die Försterinnen und Förster genau darauf achten, dass sich auch die Waldbäume einfinden, die einen künftigen gesunden und stabilen Wald bilden können. Sind diese Bäume im weiteren Umkreis nicht vorhanden, muss gezielt gepflanzt werden.

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8. Pionierarbeit auf freier Fläche

Grafik von Jennie Bödecker
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Von Anfang an herrscht ein intensiver Konkurrenzkampf zwischen den Pflanzen. Fast gleichzeitig mit den Kräutern, Gräsern und Sträuchern keimen die auf reichlich Sonnenlicht angewiesenen Pionierbaumarten Birke, Vogelbeere und Kiefer. Sie bilden schnell einen so genannten Vor-Wald, in dessen Schatten sich später die Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft entwickeln. Im Hunsrück sind dies die Traubeneiche, die Buche und die Hainbuche.

Dieser Konkurrenzkampf muss außerhalb des Kyrill-Pfades so gesteuert werden, dass den für den künftigen Wald benötigten Bäumchen „geholfen“ wird. Die hier wieder aufkeimende Fichte ist nur als Mischbaumart erwünscht.

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9. Aus dem Wald ins Sägewerk

Grafik von Jennie Bödecker
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Hier wurden die vom Sturm umgefallenen Bäume verwertet. Mit einer modernen Holzerntemaschine, dem so genannten Harvester oder durch Waldarbeiter werden die Stämme entastet und für den Verkauf aufgearbeitet. Anschließend ziehen große Schlepper die Holzstämme schonend zum Waldweg, damit sie verkauft werden können. Das plötzlich auftretende Überangebot an Rohholz lässt die Holzpreise sinken. Im Gegenzug werden die Jungpflanzen zur Wiederaufforstung knapp.

Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes ist eine wichtige Aufgabe der Förster. Dabei wird darauf geachtet, dass höchstens so viel Holz genutzt wird, wie nachwächst. Im Wald wird der bedeutendste nachwachsende Rohstoff Holz ökologisch verträglich produziert.

Außerdem ist die Bewirtschaftung des heimischen Waldes gleich mehrfach von Vorteil: Der Wald dient unter anderem der Erholung, dem Klimaausgleich, der Bindung von Kohlenstoffdioxid, der Wasserreinhaltung und der Hochwasservorbeugung. Er ist gleichzeitig vielseitiger Lebensraum einer großen Zahl von Tieren und Pflanzen.

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10. Die Natur unterstützen

Grafik von Jennie Bödecker
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An dieser Stelle wurden Erlen gepflanzt. Die Wuchsbedingungen sind für sie nahezu optimal. Diese Bäume brauchen feuchte Böden und sind in der Lage, wasserstauende Bodenschichten zu durchwurzeln.

Die nicht bepflanzten Bereiche werden sich von Natur aus begrünen. Zunächst werden die Pionierbaumarten Birke und Erle heranwachsen. Aber auch die Fichte wird sicher wieder mit dabei sein. Langfristig werden sich die heimischen Eichen, Buchen und Hainbuchen durchsetzen.

Die Forstleute helfen auf diesem Weg, in dem sie gezielt eingreifen und einzelne Bäume entnehmen, die diese Entwicklung verhindern könnten.

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